Th. Sommer, 2026-02

Seit einigen Wochen recherchiere ich jetzt zum Bildungswesen in Deutschland, speziell zum Teilgebiet Digitalisierung. Sehr schnell wurde mir klar: Auf Bundesebene und unter dem Eindruck des Föderalismus übersteigt die Komplexität des deutschen Bildungswesens das für mich Handhabbare, Operationalisierbare im Bereich Digitalisierung. Mit einer Einschränkung auf mein Heimatbundesland, Niedersachsen, hingegen scheint eine angemessene Handlungsebene für meinen Einstieg gefunden - einerseits in der Komplexität noch fassbar, anderseits mit einem vielversprechenden Wirkhebel.
Die Dimensionen des "Kaninchenloches", in das ich mich da freiwillig begeben habe, sind wirklich bemerkenswert. Schon die nackten Zahlen in Niedersachsen sprechen für sich: 880.000 Schülerinnen und Schüler, rund 72.300 Lehrkräfte, mehr als 2.500 Schulen bei über 125 Schulträgern in 43 Kreisen und kreisfreien Städten.
Und dann die Vielzahl an unterschiedlichen Beteiligten: Vom Kultusministerium, über diverse Landes- und Kommunalbehörden & -stellen, Schulträgern und -leitungen, Instituten, freien Bildungseinrichtungen, Medienzentren, kommerziellen Anbietern für Bildungsprogramme und -unterstützung, Stiftungen und Förderprogrammen bis hin zu vielen, vielen engagierten Einzelpersonen - Lehrkräften, Eltern, pädagogisch Interessierte und natürlich die Schülerinnen und Schüler selbst.
Schließlich sind erhebliche Budgets verfügbar: 8,5 Milliarden € (20% des Landeshaushaltes) sind 2024 in das niedersächsische Bildungswesen geflossen. Zwischen 2026 und 2030 werden in Niedersachsen ca. 800 Millionen € in die digitale Ausstattung der Schulen investiert.
Leider ist die Wahrnehmung der Situation meist eine andere: Vor meinen eigenen Recherchen hielt ich das Bildungswesen - wie wohl viele andere - noch für chronisch unterfinanziert und, man verzeihe mir die Ehrlichkeit, recht rückständig für ein Land mit unserer Wirtschaftskraft. Dieser Eindruck entstand u. a. durch Ergebnisse der PISA-Studien und regelmäßiger "Katastrophenmeldungen" zu Unterrichtsausfällen, Lehrkräftemangel, Sanierungsstau etc.
Zwischenzeitlich habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, dass trotz der vielfach eingeschränkten Rahmenbedingungen "Schule in Niedersachsen" einen echt tollen Job macht. (Positive wie negative Ausnahmen bestätigen dies aus meiner Sicht.) In meinen ersten Gesprächen mit Beteiligten (u. a. Schulleitungen, Lehrkräften, medienpädagogische Berater, Schülerinnen und Schüler) hörte ich zwar viel Frust heraus, aber auch sehr viel Engagement weit über das Geforderte hinaus. Gerade dieses extrem hohe Engagement ist sicherlich einer der Hauptgründe für viele positive Beispiele der letzten Jahre.
Für eine gute, zielgerichtete digitale Bildung stehen in Niedersachsen meiner Einschätzung nach durchaus ausreichend Gelder und (engagierte) Menschen bereit. Für den schulischen Alltag (nicht nur in der Schulverwaltung, sondern vor allem für die Schülerinnen und Schüler) muss ich allerdings konstatieren, dass sehr viel dieses vorhandenen Engagements und sehr viel Geld schlicht im Gesamtsystem "versickert". - Mehr zu den Hintergründen (Stichworte: Fokussierung, Koordination, Kooperation, Wiederverwendung) in einem nächsten Artikel hier.
Wie sehen andere diese Punkte? Was habe ich übersehen oder schätze ich noch falsch ein? Was ist zu ergänzen? Freue mich über jede Kontaktaufnahme zu diesem Themenkomplex.
#Bildungswesen #Organisation
Erstellt ohne generative KI
Digitale Bildung Organisieren in Niedersachsen